ï»ż Medien: Eine Geschichte, die ich nicht erzählen will
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akin-Pressedienst.
Aussendungszeitpunkt: Donnerstag, 5. November 2020; 02:51
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Medien:

> Eine Geschichte, die ich nicht erzÀhlen will

Von *Christoph Baumgarten*


Vier tote Passantinnen und Passanten, mehr als ein Dutzend Verletzte. Das
islamistische Attentat Montagabend in Wien macht traurig, ratlos, wĂŒtend.
Die Berichterstattung des Boulevardblatts Österreich ebenso. Ein Kommentar
ĂŒber schwer zu fassendes und das wirklich Schreckliche.

Die Gasse hinunter ist eine Moschee fĂŒr mazedonische Albaner. Ein paar, die
dorthingehen, kenn ich vom Reden. Die meisten vom Sehen. Am Freitag stehen
ja oft Leute vor dem GebÀude - die Moschee ist das Erdgeschoss eines
normalen Wohnhauses - und sollte ich auf dem Weg auf den Markt sein, nicken
wir uns meist zu.

Die Leute scheinen großteils sehr freundlich zu sein. Ansonsten bleibt mir
diese Welt so fremd wie alle religiösen Welten. So fremd wie die polnische
Kirche ums Eck.

Diese Fremdheit gilt den Welten, nicht den Menschen, die dort hineingehen
und hinausgehen. Das sind ganz einfach Menschen. Mit Hoffnungen, Freuden,
Ängsten, Schmerz. Mit Hunger und Durst, manchmal mit Liebe.

Diese Menschen gehören der gleichen Ethnie an wie der AttentÀter von gestern
und haben die gleiche Religion. Das ist alles, was sie mit ihm gemeinsam
haben.

Ich werde nicht mal fragen, ob ihn wer gekannt hat. Wozu? Ich werde auch
nicht reden mit den Leuten ĂŒber den Anschlag. Ich werde sie lieber in Ruhe
lassen.

Keiner von denen ist verpflichtet, mir oder sonst jemand gegenĂŒber Stellung
zu nehmen fĂŒr etwas, wo fĂŒr jeden normalen Menschen - also auch diese
Menschen - klar ist, dass es nichts mit ihnen zu tun hat.

Klar, es wÀre eine sozusagen billige journalistische Geschichte. So billig
sie wĂ€re, so wertlos wĂ€re sie auch. Sie wĂŒrde allerhöchstens das GeschĂ€ft
des AttentÀters besorgen. Da will ich nicht mitmachen.

Der Schrecken kommt aus unser aller Mitte

Überhaupt, die Geschichte ist nicht, dass einer aus deren Mitte. Das war er
vielleicht, vielleicht auch nicht. Es war einer aus unserer Mitte. Geboren
in Wien, aufgewachsen in Wien. Die Stadt, in der ich seit mehr als 20 Jahren
lebe, hat ihn entscheidend geprĂ€gt. Manchmal, so mĂŒssen wir alle erschĂŒttert
zur Kenntnis nehmen, geht das auch schief.

Der Schrecken, die Gewalt, der Schmerz, kommen nicht von draußen. Nicht die
Fremden bringen es herein. Wir haben es gemacht. Hier ist etwas
schiefgelaufen. Hier, in dieser Stadt, in meiner Stadt. Hier sind die
Voraussetzungen geschaffen worden, die diesen AttentÀter radikalisiert
haben.

Wie und von wem, weiß ich nicht. Es wird schon auch damit zu tun haben, dass
tatsÀchliche oder vermeintliche Muslime in dieser Gesellschaft zu den
Gruppen gehören, die man behandelt wie Menschen zweiter Klasse. Es wird
schon auch damit zu tun haben, dass und wie manche Gruppierungen von
Migranten daraus Kapital schlagen. Radikal-islamischen Einrichtungen kommt
da eine wichtige Rolle zu. Es sind nicht die einzigen, die uns Sorge machen
sollten. Das gegenseitige WettrĂŒsten der Rechten, der Nazis, Kellernazis und
Beinahe-Nazis und der Nationalisten, Islamisten und tĂŒrkischen Faschisten
hat Montagabend vier Opfer gefordert.

Dass die Sicherheitsbehörden versagt haben, liegt auf der Hand. Der
AttentÀter war verurteilter IS-Sympathisant. Wie der zu Schusswaffen kommen
konnte, wird mir und der heimischen Öffentlichkeit demnĂ€chst jemand erklĂ€ren
mĂŒssen.

Es wird keine einfachen Antworten geben, wie der AttentÀter zu dem Mörder
wurde, der er Montagabend war. Nur, wir werden uns der Tatsache stellen
mĂŒssen, dass die Voraussetzungen fĂŒr diesen terroristischen Akt hier
geschaffen wurden.

Das ist das Ungeheuerliche. Das ist die Geschichte, die man erzÀhlen sollte.
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(balkanstories.net)



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